Donnerstag, 29. April 2010

fröhlich ausgetreten werden

"Skandal: aus der Kirche austreten kostet 31 Euro." Oder: "Ist es ein Zeichen, wenn beim gewollten Austreten aus der Kirche man wieder weg geschickt wird, weil die EDV nicht funktioniert?" Twitter, der stete, öffentliche Strom von Kurzbotschaften auf dem Internet, schwatzt von Kirchenaustritt. "Wer als letztes aus der Kirche austritt, darf übrigens den Vatikan behalten. Rechne mir gute Chancen aus."

Zwar hat der Mitgliederverlust hauptsächlich demographische Gründe, aber es interessiert mich, wie man ausgetreten wird. In der Schweiz kostet austreten nichts. Meist geht es einfach, persönlich vorsprechen ist nicht nötig.
freundlich ausgetreten werden
Je weniger Austritte, desto besser. Aber darum wie in Deutschland den Austritt schwer machen? Nein! Wer den Tritt beim Aus noch lange spürt, kommt nicht wieder. Ein freundliches "Adieu" und "... hat mich gefreut, dass Sie bis jetzt dabei waren" gibt die richtige Stimmung für später. Der momentane Ärger geht vorbei, Skandale werden bereinigt, nach Jahren regt sich ungeahnt die Seele. Wieder eintreten? Geht einfacher, wenn man früher am Ausgang freundlich und fröhlich verabschiedet wurde.

Die Schaffhauser Evangelischen haben seit längerem mit dem "Mister Eintritt" einen freundlichen Empfang geschaffen. Ist der Austritt ebenso nett? Wer austreten will, wird oft persönlich kontaktiert. Wer ist dafür ausgebildet worden? Freundlich, respektvoll, kümmernd? Ein farbiger Abschiedsbrief statt einer trockenen Bestätigung setzt die Stimmung. Ausgang und Eingang - beides sei in die Hände freundlicher Menschen gelegt.

Kolumne in den Zeitschriften "Leben & Glauben" sowie "Sonntag" Nr. 17/10

Freitag, 26. Februar 2010

klassisch ernst

Unmöglich. Klassische Musik ist unkombinierbar mit oberflächlichem Geplauder. Klassik ist ernst. Klassik ist schriftdeutsch. Klassik hat Niveau. Sogar wenn die DRS-2-Sendung "Diskothek im Zwei" heisst, wird streng Hochsprache gesprochen: auch in der Disco schriftdeutsch, denn mit Klassik ist nicht zu spassen.

Kantatengottesdienst Münster SHSeit ich mein Französisch aufpäppeln muss, läuft im Badezimmer beim Zähneputzen und anderen Körperpflegen das welsche Radio. Was höre ich da? Fast lasse ich die Zahnbürste fallen! Klassische Musik und dazwischen ätzendes und schräges Geplauder zur Tagesaktualität. Unmöglich, denn laut Kulturdefinition verträgt sich das nicht - und erst noch auf dem ersten Kanal, wo doch klassische Musik ins Zwei gehört.

Versuchen die Welschen, billiges Geplauder durch klasse Musik aufzuwerten? Oder umgekehrt: Wollen sie der breiten Masse gute Musik mit einer Senkung des Rede-Niveaus schmackhaft machen?
Nun, man kann nicht von allen verlangen, dass sie Kultur verstehen und würdigen. Nicht alle haben so viel Niveau wie wir Nichtwelschen. Umso mehr müssen wir unser Kulturverständnis hoch halten. Besonders auch in der Kirche. Bei uns ist die Musik hoch stehend, die Rede desgleichen. Unklassische Musik oder Geplauder verabscheuen wir. Kirche ist ernst. Kirche ist schriftdeutsch. Kirche hat Niveau.

Zum Glück hören Deutschschweizer kaum welsches Radio, unser Kulturverständnis bleibt rein und auch in der Kirche können wir den hohen Standard halten. So bleiben wir unter uns.

Sendung "Aqua Concert", Radio Suisse Romande 1

Kolumne in den Zeitschriften "Leben & Glauben" sowie "Sonntag" Nr. 08/10

Dienstag, 3. November 2009

Sauerkraut und Rüben

... haben mich vertrieben, hätt´ der Meister Fleisch gekocht, wäre ich geblieben. In der neumödigen Zeit sagt der Webseitenbesucher: Leitsätz' und Grundlagen haben mich vertrieben, hätte der Webmeister Aktualität gekocht, wär' ich auf der Webseite geblieben.

Die ungenannt sein wollende Kirchgemeinde beginnt auf der Homepage mit dem Portrait. Nein, keine Gesichter: Leitsätze. Grundsätzliche Texte über Mitarbeiter - nein, keine Namen -, dann Organisation und Landeskirche. Kommt Spannung auf? Hm. Folgt die Beschreibung der Kirchen. Seit 1350. Sauerkraut und Rüben. Vertrieben.

Kirchgemeinden, besonders Pfarrperson, neigen dazu, Webseiten vom Generellen zum Konkreten hin aufzubauen. Das Fleisch versteckt sich unter dem Sauerkraut. Legen Sie doch Speck und Wurst oben auf. Der Hungrige wird das Sauerkraut schon auch essen.

Ja, Leitbilder, Glaubenssätze und Organigramme sind wichtig. Sie sollen aber, - zumindest auf der Homepage - nach dem pulsierenden Leben kommen, nach dem Bericht vom Jungschi-OL oder dem gelungenen Seniorennachmittag. Grundlagen sind unten.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Google Street View

Ich bin ein Fan von Google Street View. Vor kurzem musste ich in der Agglomeration Biel mit den ÖV an einen mir unbekannten Ort für einen wichtigen Termin und hatte wenig Zeit, dort den Weg zu suchen. Dank Google Street View konnte ich den Weg vorher virtuell abschreiten, die Geh-Zeit einschätzen und alles klappte wunderbar.
Übrigens: Die Googler filmen per Velo. Bergauf wohl ein ziemlicher Chrampf:

Samstag, 17. Oktober 2009

Mit Blog über Kommunikation kommunizieren

Kirche kommuniziert, sie macht fast nichts anderes. Wenn sie nicht kommunziert ist sie nicht (mehr). Gedanken über die Kirche und wie sie kommuniziert, Erfahrungen besonders im Bereich Internetkommunikation in der Kirche und vielleicht auch mal ein Gedanke an den Rändern dieses Themenfeldes werden Sie hier lesen.